Was ist die ÖNORM B1300 genau?

Der Hauseigentümer/Verwalter ist für die Auswahl eines befugten Objektsicherheits-prüfers verantwortlich. Die ÖNorm B 1300 ist für Objektsicherheitsprüfung die anerkannte Regel der Technik.

 

Das Recht auf körperliche Unversehrtheit gehört zu den Grundrechten des Menschen. Um diese zu gewährleisten, sind unterschiedlichste Vorkehrungen zu treffen. Während etwa Autos jährlich zur Überprüfung müssen, die mit dem "Pickerl" – genauer gesagt mit der Prüfplakette nach §57a des Kraftfahrgesetzes – bestätigt wird, gibt es für Wohngebäude keine derartige Prüfroutine. Abhilfe schafft eine neue ÖNORM, die mit 1. November 2012 erschienen ist.

 

Die Statistik Austria erfasst für Österreich mehr als 2 073 603 Wohngebäude, die Raum für rund 4,2 Millionen Wohnungen schaffen. Während die Anzahl der Wohnungen, der gebotene Komfort und die aufzubringenden Kosten stetig steigen, scheint das Niveau beim Thema Objektsicherheit in der Wahrnehmung bestenfalls zu stagnieren. Mit beunruhigender Regelmäßigkeit berichten Medien von technischen Gebrechen, Einstürzen und anderen Unglücksfällen.

 

Strukturierte Überprüfungen vermeiden Gefährdungen

Unglücksfälle, die in der Mehrheit vermeidbar sind, wie Baumeister Wilhelm Zechner, Technischer Vorstand der Wiener Sozialbau AG, erklärt.

"Um Wohngebäude sicher zu halten, braucht es Präventionsmaßnahmen, die auf aktuelle Daten und Dokumentationen zurückgreifen, die man durch regelmäßige und strukturierte Überprüfungen erhält. Damit lassen sich Gefahrenpotentiale erkennen und Gefährdungen vermeiden", so Zechner.

 

Der Vorstand des größten privaten Hausverwalters in Österreich ist Experte im zuständigen Normungsgremium von Austrian Standards, das die neue ÖNORM B 1300 "Objektsicherheitsprüfungen für Wohngebäude" ausgearbeitet hat.

 

Das Regelwerk formuliert die notwendigen regelmäßigen Prüfroutinen im Rahmen von Sichtkontrollen und zerstörungsfreien Begutachtungen und stellt darüber hinaus die Grundlagen und Checklisten für eine stichhaltige Überprüfung auf aktuellem Stand der Technik zur Verfügung.

 

Kontrollpflicht des Hauseigentümers

Die Norm stellt das notwendige Rüstzeug für eine bereits bestehende gesetzliche Verpflichtung der Gebäudeeigentümer (Verkehrssicherungspflicht gemäß ABGB) zur Verfügung. Nach gängiger Rechtsprechung zählt die regelmäßige Kontrolle eines Hauses auf Schäden und Gefahrenquellen, samt den dazugehörigen Begehungen, zu den typischen Pflichten eines Hauseigentümers oder des von ihm beauftragten Verwalters.

 

Sowohl im Mietrechtsgesetz (§ 23) wie auch im Hausbesorgergesetz wird dafür der Begriff "Beaufsichtigung" verwendet, der eine einigermaßen regelmäßige Kontrolltätigkeit der gesamten Liegenschaft zum Zweck des Erkennens drohender Gefahren, wie etwa sich anbahnender Schäden oder sonstiger Gefahrenquellen, beschreibt.

 

Vier Fachbereiche der Objektsicherheit

Unterschiedlichste Ansätze belegen die zahlreichen Anstrengungen der Verantwortlichen, dieser Verpflichtung nachzukommen. Dennoch gab es bislang kaum geordnete Regelungen, wie vorbeugende Begutachtungen durchzuführen und die bestehenden Einzelvorschriften einzuhalten sind. Kurzum: Es fehlte an systematischen Prüfroutinen zur Objektsicherheit in Wohngebäuden.

 

Die neue ÖNORM B 1300 schafft hier Abhilfe. Um das Regelwerk verständlich und für die Vielzahl der Objekttypen anwendbar zu halten, wurden eine fachliche Gliederung in die vier Fachbereiche Technische Objektsicherheit, Gefahrenvermeidung und Brandschutz, Gesundheits- und Umweltschutz sowie Einbruchschutz und Schutz vor Außengefahren vorgenommen.

 

Für die praktische Durchführung der Objektsicherheitsprüfung enthält die ÖNORM B 1300 umfassende Checklisten, die sich an den Bauteilen orientieren und die von der Allgemeinbeleuchtung und der Beschilderung über Kinderspielplätze und Fluchtwege bis hin zu den Rauchgasanlagen und dem Warmwasserverteilnetz reichen.

 

Feststellung von Verantwortlichkeiten

Neben der Art der Prüfroutinen und den Maßnahmen samt der zugehörigen Überprüfungszyklen empfiehlt die Norm auch die Benennung der Verantwortlichen für die Durchführung und den Ablauf der Prüfroutinen. Darüber hinaus sind Sicherheitsbeauftragte und Aufgabenträger festzuhalten.

Um der Verpflichtung zur Dokumentation nachkommen zu können, bedarf es neben den Checklisten und der ordnungsgemäßen Durchführung der Sichtkontrollen und Begutachtungen auch der Wahrnehmung von Verantwortung. Denn nur so lässt sich im Bedarfsfall lückenlos nachweisen, dass alle Anstrengungen unternommen wurden, um Gefährdungen hintanzuhalten.

 

Autor: Herbert Hirner
Quelle: https://www.austrian-standards.at/newsroom/meldung/mehr-sicherheit-fuer-wohngebaeude/

 

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